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Veranstaltungen: Übersicht
20.05.12Dear Reader
  • DJ Monet
  • DJ Jules Powers

Electro House | Nu Disco | Indie Dance



00. Spieltag | Sa., 26.05.2012

18.00h

  • Schweiz - Deutschland

Live:
http://www.facebook.com/dearreadermusic
Datum: So., 20.05.2012Beginn: 21:00
Eintritt: vvk: 11 euro // ak: 14 euroKarten: hier
Band-Info

Im Februar 2009 veröffentlichten wir das Debüt Album von DEAR READER aus Johannesburg. Damals drehte sich alles um die südafrikanische Herkunft der beiden Bandmitglieder und die zerrissene Gesellschaft in der sie leb(t)en. Darüber hinaus war „Replace Why With Funny“ natürlich noch ein sehr bewegendes Break-Up Album, an dem sich dennoch viele Menschen in Europa erfreuten.

Nach dem Album kam er dann tatsächlich, der Break-Up. Darryl Dorr und Cherilyn MacNeil beschlossen getrennte Wege zu gehen. Cheri, die schon immer alle Musik und Texte für Dear Reader schrieb, zog nach Berlin und begann ein völlig neues Leben. Darryl blieb in Johannesburg und ist jetzt wieder einer der meistbeschäftigten Tonmeister Südafrikas.
Die Fremdheit im eigenen Land des ersten Albums hat also einer Fremde in einer völlig neuen Heimat Platz gemacht. Cherilyn MacNeil ist jetzt offiziell „Ausländerin“. Genauer: eine Afrikanerin in Berlin. Komplett mit Aufenthaltsgenehmigung, Steuernummer, Deutschkurs, Visums-Problematik und ernüchternden Besuchen bei der „Ausländerbehörde“.

Natürlich gibt es auch eine Art Berlin Song auf diesem neuen Dear Reader Album. Er heißt (BEAR) Young's Done In und ist doch viel weniger Berlin und viel mehr Abschied vom Jungsein. „Quarterlife Crisis“, sagt Cherilyn lachend, und wir wussten nicht mal, dass es so was überhaupt gibt. Aber wir sind ja auch nur eine ignorante Plattenfirma, die sich an der außerirdischen Eleganz dieser neuen Dear Reader Songs erbaut. Dass der ganze, komplexe Wohlklang aber lediglich eine wattige Verkleidung für den inhaltlichen Horror dieser Songs darstellt, das haben wir erst recht spät bemerkt.

Man hört sich so in diese neuen Lieder hinein. Ertastet langsam aber sicher das sehr verzweigte, erheblich kompliziertere Songwriting, das zwar mit Hoods nur so um sich wirft, doch niemals als gängiges Songgerüst daher zu kommen scheint. Ja, man versäumt zunächst ob Cheri’s immer wieder mitreißend schöner Singstimme, ob all der Oboen und Fagotte, der Chöre und Waldhörner, der Geigen und Trompeten und der reinen musikalischen Dramatik, dass sich dahinter ja noch ganz andere Abgründe auftun.

Nehmen wir z.B. (MONKEY) Go Home, von dem man annimmt, dass da wahrscheinlich ein Exlover heim geschickt wird. Aber weit gefehlt. Es protokolliert einen Akt der Selbstzerfleischung, in dessen Verlauf sowohl die eigenen Ambitionen nach Hause geschickt werden, als auch die Hoffnung, jemals Großes leisten zu können.
Und auch das Titelstück, (MAN) Idealistin Animals, ist so ziemlich das komplette Gegenteil eines Self- Help-Buches. Textprobe gefällig?

„He took a wife, a wife for life / But he still feels dissatisfied He took a lover on the side / He had to hurt you A bonfire in your yard tonight / The flames are green and burning bright An axe inside the chair you like / She had to hurt you“.

Mörderballaden, Selbstzweifel, Depression, Melancholie, das ist der Stoff aus dem laut Cherilyn MacNeil der „idealistische Mensch“ gemacht ist. Eine weitere metaphorische Erhärtung: Der blinde Maulwurf, der in (MOLE) Mole im Tunnel endlich einen Loser trifft, der aber die Zweifel an der Möglichkeit nicht beseitigen kann, dass sich nicht doch vielleicht noch was Besseres finden lässt. Dear Reader 2011, man möchte fast „Dark Reader“ rufen, ob der lyrischen Abgründe, die sich hier auftun. In mindestens zwei Songs geht die Welt unter. In einem treffen zwei ehemalige Liebende aufeinander und es entfaltet sich ein grauenhaftes Szenario. Es wird sich getrennt und verworfen, es wird alles hinterfragt und überdacht und das dauernd.

Und dabei denkt man die ganze Zeit, man hört Popsongs. Das ist die eigentliche Kunst dieses Albums: das alles hier ist Arthouse Pop auf allerhöchstem Niveau, und wenn man will, dann merkt man es nicht einmal. Cherilyn MacNeil baut als einzige Sicherheit einen großen musikalischen Schutzwall auf und hofft, dass die Inhalte von der überbordenden Musik geheim gehalten werden. Was nicht gelingen will.

Wo aber kommt das alles her? Ist das vielleicht doch wieder ein weiteres Break-Up Album? Die Antwort ist ja. Aber der Break-Up ist ein gänzlich anderer. Dies ist das Losing My Religion Album der Cherilyn MacNeil.

Man stelle sich vor, sie ist die ersten zwanzig Jahre ihres Lebens in extremer Religiosität groß geworden. Mit allem was daran gut und schlecht sein kann. Tief verwurzelt in christlichen Werten, aber eben auch 24 Stunden am Tag drangsaliert von der christlichen Moral-Keule, die permanent geschwungen wurde*. Der Glaube gab aber auch Halt, Struktur, einen Platz im Leben und manche Dinge, die sogar hilfreich sein können beim Heranwachsen.

„I was a fanatic, a proper Jesus Freak“, sagt Cherilyn MacNeil heute über diese Zeit, die vor ca. acht Jahren zu einem abrupten Ende kam. Wie Schuppen von den Augen sei sie ihr damals gefallen, die Erkenntnis der völligen Unfreiheit. Doch auf die Befreiung folgt die Suche nach einer neuen Struktur, ein schwieriges Unterfangen, bei dem der Umzug von Südafrika nach Deutschland sicherlich das kleinste Problem darstellt. Diese Unsicherheit, und der andauernde Zweifel über Sinn und Platz im Leben, all das bricht sich auf diesem Album seine Bahn. Wenn man voll und ganz entwurzelt ist, wenn man alles ständig und immer in Frage stellen muss, weil ein neuer Weg noch nicht klar voraus gezeichnet ist, dann ist das Glas gerne auch mal halb leer. Und es kommt immer wieder der Moment, da zu viele Fragen unbeantwortet bleiben, wo nur noch Decke-über-den-Kopf-ziehen hilft. Oder Popsongs schreiben, die keine sind.

Und dann kommt dabei ein Album wie IDEALISTIN ANIMALS heraus.
Ein Album, das mit seiner musikalischen Fülle ganz selbstverständlich in die melodramatische Offensive geht. Niemals ohne Selbstzweifel. Alles andere sind Schutzbehauptungen. Ein Rudel Songs, eine Herde idealistischer Tiere, die da aus dem Käfig gelassen werden.

Aufgenommen in Leipzig, abgemischt in Portland, Oregon. Wieder produziert mit Brent Knopf, dem ehemaligen Menomena Mitglied, der genau die gleichen Erfahrungen mit der Religiosität hinter sich hat. Eingespielt von deutschen, südafrikanischen, nordirischen, schwedischen und amerikanischen Musikern, und einem waschechten Shapenotes Chor aus Oregon.

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* Literaturhinweis zum Thema: „Blankets“ von Craig Thompson, 2003 Top Shelf Productions – schlichtweg genial!